Debanking: Wie die Diskriminierung durch Banken Geschäftsmodelle gefährdet

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02. Februar 2026
Wenn eure Geschäftsidee scheitert, weil ihr kein Bankkonto eröffnen könnt, können Existenzen, Unternehmertum und Innovationschancen bedroht werden. Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer haben Schwierigkeiten, bei Banken einen Vertrag zu erhalten. Wir haben uns umgehört und mit einer Handelsbranche gesprochen, die besonders betroffen ist: der zivile Waffenfachhandel.
Personal Banking
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In der Vergangenheit habe es schon immer einzelne Berichte von Waffenfachhändlerinnen und -händlern gegeben, denen plötzlich das Firmenkonto gekündigt wurde. Jüngst hat der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler e. V. (VDB) nun festgestellt, dass das sogenannte „Debanking“ zu einem wachsenden Problem für die Branche wird.

Nachfragen hätten jedoch früher meist ergeben, dass es nachvollziehbare Gründe für das Handeln des Geldinstituts gab. Das habe sich in letzter Zeit verändert. 

Michael Blendinger, Präsident des VDB, erklärt im Interview mit HANDEL.INSIGHT, welche Erfahrungen seine Händler-Kollegen mit Debanking haben:

Wir bekamen in den vergangenen Jahren vermehrt Mails und Anrufe von Händlern, die von ihrem Geldinstitut zum Teil nach langjähriger, problemloser Geschäftsbeziehung eine Kündigung bekamen. Immer öfter mit dem Hinweis, dass man mit Waffengeschäften nichts zu tun haben wolle. Darum haben wir im Mai 2025 eine Umfrage unter unseren Mitgliedern gestartet und herausgefunden, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt.

Michael Blendinger, Präsident des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler e. V. (VDB)
Michael Blendinger, Präsident des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler e. V. (VDB)

Wie haben die Banken diese Kündigungen begründet? Es gibt ja Compliance-Regeln und Vorgaben, nach denen sich Banken richten müssen.

Ja, die gibt es. Und auf diese wurde auch in vielen Fällen verwiesen. Aber wir haben uns diese von verschiedenen Banken genau angeschaut und dort wird der zivile Waffenfachhandel überhaupt nicht erwähnt! Es gibt also für diese pauschale Diskriminierung unserer Branche weder eine sachliche noch eine rechtliche Vorgabe.

Selbst die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) nennt ausdrücklich nur „umstrittene“ Waffen als Ausschlusskriterium für sich nachhaltig nennende Fonds. Dazu gehören ABC-Waffen, Streumunition und Landminen. Dass damit kein Händler ziviler Waffen sein Geld verdient, müsste den Banken und Sparkassen bekannt sein. Also haben wir weiter geforscht und auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nachgefragt. Die Antwort: Es gibt dazu keine Vorgabe von der BaFin!

Trotzdem wurde auf Nachfrage meist auf interne Vorgaben verwiesen, die angeblich gegen Geschäftsbeziehungen zur Waffenbranche sprechen. Diese würden ihre Reputation gefährden und seien nicht vereinbar mit den sogenannten Nachhaltigkeitskriterien gemäß EU-Taxonomie-Verordnung

Jagdsportwaffen
Jagdsportwaffen

Moment: Jagd und Sport sind nicht nachhaltig? Was würden Jäger und Schießsportler ohne den zivilen Waffenhandel tun? Wie soll Tierseuchenbekämpfung, z. B. im Rahmen der Afrikanischen Schweinepest funktionieren, wenn keine flächendeckende Versorgung mit Waffen, Munition, Optiken und Büchsenmacherhandwerk mehr vorhanden ist? Und was ist mit dem ehrenamtlichen, gesellschaftlichen Engagement der Schützenvereine, die gerade in der Jugendarbeit eine wichtige Säule zur Persönlichkeitsentwicklung mit hohem Verantwortungsbewusstsein darstellen?

Haben Sie als Verband Möglichkeiten, gegen diese Diskriminierung vorzugehen?

Wir müssen dagegen vorgehen. Das geht nur mit Öffentlichkeitsarbeit. Wir brauchen eine gesellschaftliche Anerkennung statt der aktuell vorherrschenden Diskriminierung. Schauen Sie: Unsere Branche steht ohnehin schon unter einem enormen wirtschaftlichen Druck. 

Als überwiegend mittelständisch oder familiär geführte Wirtschaftsunternehmen leiden wir unter den gleichen Hemmnissen wie alle anderen Branchen, also der überbordenden Bürokratie, der Überregulierung aus Brüssel und der aktuellen Wirtschaftsflaute. Zusätzlich aber sind wir branchenspezifischen Pflichten unterworfen, wie der Meldepflicht an das Nationale Waffenregister und waffenrechtlichen Verschärfungen oder Verboten, die finanzielle Risiken bergen oder sogar Verluste generieren und in einem hohen Maß personelle Ressourcen binden. Wenn nicht bald ein Umdenken in der Gesellschaft geschieht, wird der zivile Waffenhandel zerrieben.

Man könnte doch meinen, dass die Veränderung im öffentlichen Diskurs – aufgrund der aktuellen internationalen Entwicklungen und dem damit verbundenen Imagewandel der Rüstungsindustrie – auch Ihre Branche beflügelt.

Das ist leider ganz und gar nicht der Fall. Das können Sie schon daran sehen, dass die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA inzwischen erlaubt, Rüstungshersteller als nachhaltig einzustufen, während Jagdwaffenverkäufer angeblich ein Reputationsrisiko darstellen. Für die kleinen und mittleren Unternehmen in unserer Branche ist die Erfahrung, unerwünscht zu sein, sehr bitter. Dabei ist gerade der zivile Waffenfachhandel hochgradig transparent und lückenlos überwacht.

Habt Ihr Erfahrungen mit Debanking oder Ablehnung Eures Geschäftsmodells gemacht? Tretet mit uns in Kontakt. Wir berichten über aktuelle Geschichten, Erfahrungen und Beispiele aus dem Handel. Gemeinsam leisten wir einen Beitrag, den Handel zu stärken!

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