Zahlungsverkehr im Handel – Der Digitale Euro

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19. Juni 2026
Fast 700 Milliarden Umsatz pro Jahr setzt der deutsche Handel um und das in circa 20 Milliarden Transaktionen. Im stationären Handel werden mittlerweile weniger als 50 Prozent noch mit Bargeld bezahlt – online funktioniert systembedingt nur digital. Warum diskutieren Wirtschaftsverbände jetzt mit der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Digitalen Euro? Was sind die Ziele des Digitalen Euros? Ein Gastbeitrag von Dr. Joachim Stoll.
Dr. Joachim Stoll auf der Frankfurter Einkaufsstraße "Zeil"
Dr. Joachim Stoll auf der Frankfurter Einkaufsstraße "Zeil"

Abhängigheit von internationalen Zahlungssystemen:

In nur einem Drittel der Euro-Länder gibt es nationale Zahlungssysteme wie z.B. die Girocard. Händlerinnen und Händler, Gastronominnen und Gastronomen sowie Dienstleisterinnen und -leister der Euro-Länder hängen so im unbaren Zahlungssystem mehr oder weniger an zwei dominanten amerikanischen Kartensystemen. Dies führt nicht nur zu ungleichen Machtverhältnissen in der Preisverhandlung, sondern zeigt auch eine technische und – heute immer mehr im Mittelpunkt – eine politische Abhängigkeit unseres Zahlungssystems. Dies ist offensichtlich das Gegenteil einer gewollten und notwendigen (Krisen-)Resilienz.

Ziele des Digitalen Euros:

Ziele eines Digitalen Euros sind damit eine geopolitische Unabhängigkeit, eine Verstärkung des Wettbewerbs im Zahlungssystem – Preiswettbewerb plus Qualitätswettbewerb durch innovative Mehrwerte bei hohem Verbraucherschutz durch hohe Anonymität (digitale Form von Bargeld).

Was fordert der Handel?

Die Forderungen der Händlerinnen und Händler sind die Einbettung des Digitalen Euros in vorhandene Infrastrukturen, die Minimierung der Belastungen für den akzeptierenden Handel, offene Strukturen, sodass Innovationen durch neue Player oder Handelsunternehmen selbst eingeführt werden können und mutige Haltegrenzen.

Idealerweise wird der Digitale Euro ein europäisches All-In-One-Zahlungssystem: Es funktioniert on- und offline, mit und ohne Netzempfang und in allen Ländern des Euroraums.

Politische Entscheidungen und nächste Schritte

Um nicht alle Liquidität aus dem Bankensystem hin zum staatlichen Digitalen Euro zu ziehen, sind Höchstbeträge geplant, die jede Bürgerin und jeder Bürger halten darf und ab denen automatisch ins bestehende System zurück übertragen wird. Die digitalen Konten werden vom bestehenden Bankensystem angeboten werden.

Und hier werden die wesentlichen politischen Entscheidungen gefällt werden: wieviel Wettbewerb wird zugelassen? Soll alles so bleiben wie es ist – nur digital? Oder brauchen wir nicht Vereinfachung, neue Ideen, Kosteneinsparungen, neue agile Player zusätzlich? Oder zumindest Kostendeckelung für den Handel?

Innereuropäisches Mobilfunk-Roaming, SEPA, Echtzeit-Überweisungen,... würden ohne europäische Regelungen noch heute erheblich teurer sein. Der Handel braucht hier eine mutige Unterstützung durch die Politik und eine laute Stimme Pro Digitalen Euro. Die EZB sollte angesichts der aktuellen Lage Europas mutig Geschwindigkeit aufnehmen.

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